Für mehr Gestaltungsmöglichkeiten bei Videoaufnahmen habe ich meine Ausrüstung um eine Glidetrack SD erweitert. Das ist eine 1m lange Schiene, auf der ein Schlitten montiert ist. Auf diesem Schlitten wird dann ein Stativkopf plus Kamera befestigt und anschließend bewegt. Die damit möglichen Kamerafahrten sind eine interessante Erweiterung der kreativen Möglichkeiten für Videos und die Ergebnisse anderer Nutzer sprechen für sich.
In dem Video zeige ich vor allem die farbliche Bearbeitung von Nachtaufnahmen. Dabei gehe ich zum Beispiel auf die Funktionen zum Weißabgleich, der Farbkorrektur mit HSL-Reglern, Verlaufsebenen und zur Bereichskorrektur ein. Der Screencast ist mehr eine lockere Sammlung von Techniken als ein detailliertes Making-Of. Für einen ruhigeren Ablauf habe ich dieses Mal auf die Zoomeffekte verzichtet. Um allen Details zu folgen, empfehle ich den Vollbildmodus.
In diesem Artikel möchte ich die Bearbeitung eines Fotos Schritt für Schritt vorstellen. Ein Klick auf das Bild geht zum nächsten Schritt und zeigt eine kurze Erklärung.
Das hier ist das Bild wie es auf der Speicherkarte lag. Schief, etwas flau und durch den ND-Filter stark rot getönt. Um trotz Tageslicht eine Langzeitbelichtung zu machen, habe ich einen 1000x Filter verwendet, der die Belichtungszeit hier auf 30 Sekunden verlängert hat.
Nach einigen Einstellungen in Adobe Camera RAW ist die Belichtung, Ausrichtung und Grundstimmung schon deutlich besser. Dabei habe ich vor allem mit dem Weißabgleich, dem Aufhelllicht und der Gradationskurve gearbeitet. Ich finde es empfehlenswert, besonders wenn man noch in Photoshop weiter arbeiten möchte, die Kontraste nicht zur stark zu wählen, um mehr Reserven für die Bearbeitung zu erhalten.
Als nächsten Schritt habe ich das Wasser etwas weicher gestaltet. Dazu habe ich den Hintergrund dupliziert, entsättigt, invertiert und dann den Modus Weiches Lich eingestellt. Dadurch werden die kleinen Schatten und Lichter der Wellen gedämpft. Damit sich dieser Effekt nicht auf den Anleger und den Hintergrund auswirkt, wird er mit einer Ebenenmakse nur grob auf den Bereich des Wasser beschränkt.
Den vorangegangenen Schritt wiederhole ich erneut, um noch etwas mehr Struktur aus dem Wasser zu entfernen. Variationen in Deckkraft der Ebene und der Maske ändern den Effekt dabei ab.
Mit einer Einstellungsebene vom Typ Farbbalance ändert sich die Grundstimmung der Farben in Blau/Cyan zu Violett/Rot.
Mit einem Farbverlauf von Schwarz nach Transparenz auf einer Ebene im Modus Weiches Licht werden der Himmel und dessen Spiegelung abgedunkelt. Damit wird der Blick des Betrachters stärker auf den mittleren Bildteil gelenkt.
Mit dem Tastenkürzel CMD-Option-Shift-E erstelle ich oben im Ebenenstapel einen Schnappschuss des bisherigen Ergebnisses, den ich mit dem Gauß’schen Weichzeichner glätte. Diese Ebene wird dann entsättigt und im Modus Weiches Licht mit geringer Deckkraft und einer Ebenenmaske genutzt, um das gegenüberliegende Ufer glatter und kontrastärmer strahlen zu lassen.
Den Effekt verstärke ich durch eine Gradationskurve, die den Hintergrund noch mal heller und etwas flauer macht. Durch diese Aufhellung ergibt sich eine Wirkung wie bei Dunst oder Nebel und entfernte Objekte verlieren so an Kontrast und Sichtbarkeit.
Um die die Form des Anlegers besser zu zeigen erstelle ich einen leere Ebene und stelle deren Modus auf Weiches Licht ein. Mit einem sehr weichen, sehr großen Pinsel mit geringer Deckkraft zeichne ich nun mit schwarz zum Abdunkeln (=Nachbelichten) und Aufhellen (=Abwedeln) auf dieser Ebene. So kann ich nicht-destruktiv arbeiten und die Dimensionalität und die lokalen Kontraste verbessern.
Der nächste Schritt verwendet auf einer mit CMD-Option-Shift-E erstellten Ebene die Einstellung Tiefen/Lichter, um die feineren Details im Holz die ansonsten im Schatten verschwinden wieder hervorzuholen. Damit dieser Effekt nur lokal greift, verwende ich eine Ebenenmaske. Um eine schwarze Ebenenmaske zu erstellen, kann beim Klick auf das Maske-Icon die Option (bzw Alt) Taste halten.
Mit dem bekannten Tastenkürzel erstelle ich eine weitere neue Ebene aus allen darunterliegenden. Auf dieser Ebene wurde nun der Filter Matter machen angewendet. Durch Experimentieren mit den Parametern konnte ich eine Einstellung finden, die das Wasser noch glatter gestaltet. Um den Effekt zu beschränken habe ich eine schwarze Ebenenmaske hinzugefügt und das mattere Ergebnis mit einem weichen, weißen Pinsel langsam in das Bild hineingezeichnet.
Die Reflexionen des Anlegers enthielten mir zu viel Grauschleier. Um diesen zu reduzieren habe ich eine Farbbalance-Einstellungsebene eingefügt und den Effekt wiederum mit dem Pinsel auf den gewünschten Bereich begrenzt.
Um die Helligkeit und Kontrast zu verbessern liegt nun eine Einstellungsebene vom Typ Schwarzweiß im Modus Luminanz mit einer Deckkraft ovn 50%. Damit kann die Helligkeit leicht von der Farbe des Ausgangsbild abhängig gemacht werden.
Eine Gradationskurve die per Ebenenmaske beschränkt ist, hellt das Wasser im unteren Drittel des Bildes auf.
Eine weitere Gradiationskurve in ganz leichter S-Form verbessert den Kontrast abschließend minimal.
Am Ende der Bearbeitung habe ich per CMD-Option-Shift-E eine letzte Kopie erstellt und diese geschärft. Um den diffusen Eindruck im Hintergrund und Wasser zu erhalten ist auch diese Ebene per Maske auf den Anleger begrenzt.
Um abschließend einen aufgeräumteren Eindruck zu haben, wurde das Bild noch etwas beschnitten. Damit war mein Ziel erreicht.
In den aktuellen Versionen von Lightroom und Camera RAW gibt es eine Funktion, die Filmkörnung simuliert. Weil ich meine Aufnahmen oft in Photoshop bearbeite und das Korn erst nach Effekten und Retuschen hinzufüge, habe ich ein Set von Aktionen aufgezeichnet, die diesen Vorgang beschleunigen. Als erstes wird dazu die Aktion Grain ausgeführt. Diese arbeitet mit einem Smartfilter, so das alle Einstellungen nachträglich bearbeitet werden können. Die Gesamtstärke kann außerdem leicht über die Deckkraft eingestellt werden. Wenn die Korn-Ebene mit der Aktion erstellt wurde, können 3 vordefinierte Einstellungen für die Smartfilter mit den Aktionen Grain+1, Grain+2 und Grain Fine abgerufen werden.
Als weitere Funktion habe ich mit Structure noch eine Aktion zur Verbesserung des Detailkontrasts aufgezeichnet. Dabei werden mit mehreren Schärfungen die feineren Strukturen eines Bildes etwas besser betont. Das bietet sich besonders bei etwas kontrastarmen Bildern an. Auch hier kann die Gesamtstärke des Effekts mit der Deckkraft und dem Modus der Ebene justiert werden.
Aller guten Dinge sind drei: Als letzte Funktion gibt es noch Burned Edges, mit dem die Bildränder abgedunkelt werden. Dabei verwende ich eine leicht gebogene Auswahl, um einen verzerrteren Effekt zu erzielen. Das Ändern des Modus der Ebene auf Hartes Licht verstärkt den Effekt. Die Kante kann zudem mit dem Gaußschen Weichzeichner gestaltet werden, damit der Übergang fließender ist. Diese Aktion ist für Bilder mit einer Größe von 6-12 Megapixeln optimiert.
Um schnell verschiedene Stile bei der Bearbeitung zu probieren, verwende ich regelmäßig Vorgaben in Adobe Camera RAW. Diese fassen diverse Einstellungen zusammen und erlauben so einfaches Experimentieren. Vorgaben sind dabei für mich meist mehr ein guter Startpunkt als ein abschließendes Ergebnis. Vier Vorgaben sind am Ende des Artikels als Download verfügbar. Die erzielten Effekte möchte ich kurz zeigen.
Hier ist das Ausgangsbild der Orangerie im Schlosspark Sanssouci in Potsdam, aufgenommen an einem diesigen aber sonnigen Vormittag.
In den letzten Monaten ist hier nicht viel passiert. Arbeit und Umzug haben Zeit und Energie gekostet, die hier fehlte. Nachdem sich meine Lage zunehmend normalisiert, fehlt jetzt nur noch gutes Wetter, um mit neuen Fotos und Tutorials diese Seite zu beleben. In der Zwischenzeit möchte ich FotoRadar empfehlen. Der von Zoomyboy betriebene Aggregator sammelt die aktuellsten Beiträge der wichtigsten deutschsprachigen Fotoblogs und ist rundweg empfehlenswert.