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Andreas Levers / Fotografie und Bildbearbeitung

Karaoke

Ich hatte für R. ein paar Kleinigkeiten zum Valentinstag bei einem allseits bekannten Buchhändler im Internet bestellt. Weil ich immer zu spät an Geschenke denke mußte ich natürlich die Expresslieferung nehmen. Der Liefertermin war nicht das Problem, leider passte das Paket nicht in die Packstation. Merkwürdig… so viel war das doch nicht. Also hab ich eine Zweitzustellung beauftragt. Natürlich erwisch ich 2 Minuten vor meinem Arbeitsbeginn eine Mitarbeiterin im DHL Callcenter, die ihren ersten Arbeitstag hat.

Ich bin in einem Telefonat noch nie so häufig in die Warteschleife gelegt worden. Natürlich immer nur für 5 Sekunden die notwendig waren, um den neben ihr sitzenden Kollegen nach dem Vorgehen zu fragen. Ab und zu hab ich dessen sonore Stimme im Hintergrund gehört. Der Marathon neigte sich dem Ende zu und bei 12 Ct. pro Minute hätte ich für die Telefongebühren fast zum Amazon-Lager fahren können.

Nichts böses ahnend wurden die Geschenke dann nur mit einem Tag Verspätung an meine Büroadresse geliefert. Der riesige Karton hätte mich stutzig machen müssen. Eigentlich hätte alles in das Äquivalent von zwei Schuhkartons gepasst. Cutter holen, Karton aufschneiden und: Toll, ich bin stolzer Besitzer einer nagelneuen Playstation II mit Eye-Toy, Fitnessprogramm, zweitem Controller und 64MB Memorycard. Das beste an der Zusammenstellung fehlt aber noch: Sing Star lag bei.

Das Fitness “Spiel” und Singstar legen den Schluss nahe, dass sich da jemand in intensiver Heimarbeit vor der Bildröhre auf das nächste Popstar-Casting vorbereitet. Erst das Singen und dann die Fitness für die Choreographie. Nicht, dass dieser Verandfehler jetzt einen Trainingsverzug zur Folge hat.

Meine letzten Karaokeerfahrungen datieren zurück auf 1998. Da hab ich auf Kreta abends volltrunken zusammen mit 8 anderen Jungs Westerland zum besten gegeben und wir haben gewonnen. Ich hab mich trotzdem dagegen entschieden, mein Glück mit Singstar zu testen. Ouzo-getränkte Erinnerungen beiseite: Ich darf das ganze jetzt auf eigene Kosten zurückschicken, bekomm dann meine ursprüngliche Bestellung und das Versandentgeld. Merkwürdig ist, dass dem Paket eine Rechnung und ein Lieferschein meiner Bestellung beiliegen.

Viel mehr als die Frage wie sowas bei einem sicher automatisierten Versand passieren kann interessiert mich aber, wie der Besteller der PS2 aus der Wäsche geguckt hat, der einen Styling-Fön und zwei Frauenfantasyromanen auspackte.