Grabowsee
Die Heilstätte am Grabowsee wurde Ende des 19. Jahrhunderts vom Roten Kreuz in der Nähe der Stadt Oranienburg errichtet. Ohne Antibiotika und mit einer zunehmend stark infizierten Bevölkerung war die Anlage vor den Toren Berlins zunächst ein Versuch, die grassierende Tuberkulose zu heilen. Aus den positiven Erfahrungen schloss sich dann auch der Bau erheblich größeren und auch bekannteren Heilstätten in Beelitz an.

Auch am Grabowsee verfällt das Gelände nach Ende der Nutzung durch die sowjetisches Armee langsam im Schatten der umgebenden Bäume. Damit ist das Gelände eine spannende Fotokulisse und zum zweiten Mal habe ich an einer go2know-Tour teilgenommen. Darüber mögen die hartgesottenen Urbex-Fans die Nase rümpfen, aber für mich überwiegen die Vorteile des ungestörten und genehmigten Fotografierens vor dem Reiz, das Gelände unter Inkaufnahme eines Hausfriedensbruchs zu betreten.
Zusammen mit der roten Armee verschwanden auch die größten Teile der Ausrüstung vom Mobiliar bis zum Heizkörper. Was übrig blieb, wurde von Metalldieben entwendet oder Vandalen zerstört. Allerdings sind, verglichen mit Beelitz, weniger Tags und Graffiti zu sehen. In den zugigen und leeren Fluren, Patientenzimmern und Hallen sind nur noch wenige Spuren vorhanden. Für mich sind die Heilstätten noch mehr eine Kulisse, zum Beispiel für Portraits, als ein Motiv für sich genommen. Mit etwas Geduld waren aber trotzdem reichlich Motive vorhanden.
Ich neige dazu, meine Tasche bis zum oberen Anschlag mit Ausrüstung zu füllen. Drei Zooms, Festbrennweiten, Akkus, Filter, Stativ, Kabelauslöser und Co. sind eher die Regel als die Ausnahme. Bei dieser Tour wollte ich das bewusst vermeiden und habe mich entschlossen, nur mit der Kombination aus Olympus PEN E-P2 und Panasonic 20mm f/1.7 zu fotografieren. Um die Herausforderung weiter zu steigern, habe ich mir vorgenommen, die Fotos außerhalb der Kamera nicht weiter zu bearbeiten.
Es hat viel mehr Spaß gemacht, als ich Anfangs vermutet habe. Das Fotografieren mit einem Minimum an Ausrüstung war viel intuitiver, spontaner und schneller. Es stand einfach weniger Technik, Überlegung und Auswahl zwischen mir und der beeindruckenden Kulisse. Auch merkte ich, genau wie im Norwegenurlaub 2010, dass das 20mm Objektiv mit seiner Normalbrennweite meinem subjektiven Sehen sehr, sehr nahe kommt. Mit 50mm am Vollformat kann ich mich nicht so recht anfreunden. Die im Vergleich etwas weiteren 40mm (bezogen auf Vollformat) scheinen dagegen genau richtig.
Durch den Verzicht auf Nachbearbeitung habe ich mehr experimentiert und und wiederholt, um die Motive gut einzufangen. Bei der Aufnahme habe ich mir mehr Zeit gelassen, um Ausrichtung, Komposition und die Belichtung direkt richtig zu machen. Gleich in Schwarz-Weiß zu fotografieren war ein guter Weg, den Blick für interessantes Licht zu schärfen. Die positiven Erfahrungen mit diesem Ansatz werde ich in der Zukunft weiter ausbauen. Auf Dauer werde ich nicht auf die Nachbearbeitung verzichten, da darin für mich auch ein großer Reiz liegt. Aber auf die Sucher nach einer kleineren Tasche kann ich gehen.
Notiz an mich selbst: In unbekannter Umgebung nicht gehen, während man durch den Sucher schaut. Zum Glück ist mein Impfschutz frisch, die Kleidung war alt und den gebrochenen Sucher konnte ich mit einer Heißklebepistole reparieren.
Alle Fotos der Heilstätte bei Flickr





am 24.01.2012 #
Tolle Serie und ein schöner Bericht Deiner Eindrücke.
Interessant, dass Du auch das “Weniger-ist-mehr-Prinzip” genossen hast – ich habe damit gute Erfahrungen gemacht. Mehr als die Kamera und eine Linse dazu braucht man selten.
Deine Bilder hier strahlen (vielleicht auch bedingt durch die technische Einschränkung?) eine angenehme Ruhe und Schlichtheit aus, was durch die einsame Location natürlich noch stärker zum Tragen kommt.
am 25.01.2012 #
Sehr schön, weniger kann eben auch mehr sein.
Und go2know empfinde ich auch als sehr angenehm, hab im Sommer eine Tour durch den Spreepark mit denen gemacht, gerne wieder.