Clean
Staub auf dem Sensor ist auf Dauer unausweichlich. Wenn man Objektive wechselt oder auch nur einen Zoom benutzt, findet früher oder später ein Partikel den Weg dahin. Irgendwann ist das erste Staubkorn dabei, dass von der automatischen Reinigung nicht mehr entfernt wird. Zeit, sich über das Reinigen Gedanken zu machen.
Disclaimer
Dieser Text fasst den Inhalt eines kleinen Workshops zusammen. Die Ansichten sind meine eigenen und ich bin nicht so arrogant zu glauben, dass “mein Weg” der richtige ist. Ich fahre in den letzten 5 Jahren aber gut damit. Ich übernehme keinerlei Gewähr für die Richtigkeit dieser Tipps. Wer seinen Sensor selbst reinigt, ist auch selbst verantwortlich. Die Reinigung ist an sich leicht und harmlos. Aber Dinge können bei fehlender Konzentration, schlechter Ausrüstung oder Pech schiefgehen. Ihr wurdet gewarnt… Zeit die Stützräder abzunehmen.
Ursachenforschung
Staub ist in allen Umgebungen außer Reinsträumen Alltag und völlig normal. Der Fotograf selbst verliert pro Tag im Schnitt 2 Gramm abgestorbene Hauszellen, die in der Raumluft herumschwirren. Haustiere, Pflanzen, Lüften, Wäsche und vieles mehr erzeugen zusätzliche Partikel, die ständig um uns herum sind. Staubvermeidung ist aussichtslos und macht einsam. Und, selbst wenn man in einer Chipfabrik lebt, entkommt man dem Staub nicht, denn schon der mechanische Abrieb in der Kamera, wenn sich Verschluss und Spiegel bewegen, erzeugt gerade am Anfang eines Kameralebens Staub.
Wenn man eine Systemkamera artgerecht hält, wechselt man irgendwann Objektive. Dabei wird der Spiegelkasten exponiert und Staub kann in die Kamera gelangen. Wer glaubt, dem durch ein Standardzoom zu entkommen, irrt. Wenn man die Brennweite verändert, ändert sich auch das Volumen. Ein Unterdruck entsteht und Staub wird in die Kamera gezogen. So oder so: Wer die Kamera nicht nur für die geschlossene Vitrine kauft oder dogmatisch ausschließlich mit einer 50mm Festbrennweite arbeitet, hat irgendwann Partikel auf dem Sensor.
Risiko minimieren
Mit ein paar einfachen Tipps ist es möglich, die Menge Staub auf ein Minimum zu reduzieren:
- Beim Wechsel des Objektivs das Bajonett nach unten halten
- Den Objektivwechsel üben und dadurch die Zeit verringern, in der die Kamera offen bleibt
- In staubigen Umgebungen im Windschatten wechseln und wenn möglich “in der Tasche”
Staub im Bild
Der Staub ruiniert das Bild nicht. Was man leicht als Staub erkennt kann man auch leicht retuschieren. Was man kaum sieht ist auch nicht wichtig. Bei offener Blende sind alle bis auf die größten Partikel nicht sichtbar und Blende 22 ist wegen der Diffraktion eh blöd.
Automatische Reinigung
Die meisten Kameras haben heute einen selbstreinigenden Sensor mit einer Beschichtung die staubabweisend ist. In vielen Fällen hilft es, diese Reinigung durch Aus- und Einschalten zu aktivieren. Die meisten Kameras erlauben auch eine Reinigung aus dem Menü heraus. Dieser Vorgang kann beliebig wiederholt werden. In meiner Erfahrung bleibt aber alles liegen, was nicht nach dem 5 Rütteln weg ist.
Mit dem Blasebalg
Ein Blasebalg für die Sensorreinigung wiegt fast nichts, kostet verhältnismäßig wenig und ist Grundlage für die meisten anderen Werkzeuge. Ich selbst verwende seit Jahre und sehr zufrieden damit die Produkte von Giotto.
Vorgehensweise
Als erstes sollte man ein paar Luftstöße in Richtung einer bleibigen Oberfläche machen, damit eventuell an der Düse haftende Partikel nicht zusätzlich auf dem Sensor landen. Wenn der Blasebalg sauber ist, aktiviert man in der Kamera die manuelle Reinigung, wodurch der Spiegel nach oben klappt. Nun hält man die Kamera mit der Öffnung nach unten, zielt mit der Düse auf den Sensor und achtet peinlich genau darauf, nirgends anzustoßen. Mit drei bis fünf Luftstößen sollten die meisten losen Partikel entfernt sein. Jetzt beendet man die Reinigung durch Ausschalten der Kamera und mit ein wenig Glück ist das Problem gelöst.
Vorteile
- Mobil
- Günstig
- Auch für Objektive
- Kontaktlos
- Kein Einfluss auf die Garantie
Nachteile
- Mehr Verteilen als Entfernen
- Nicht besonders präzise
- Muss selbst sauber gehalten werden
Mit dem Pinsel
Ein weicher Pinsel aus dem Künstlerbedarf, am besten mit abgerundeten Borsten, ist grundsätzlich geeignet, Staub aufzunehmen und zu entfernen. Der Pinsel selbst kann mit dem Blasebalg gereinigt werden. Allerdings: Diese Pinsel sind nicht dafür gemacht. Deswegen kann es immer sein, dass die selbst Partikel verlieren. Ich würde das nicht machen. Die Ausnahme: Der Arctic Butterfly ist ein speziell für die Reinigung von Sensoren optimierter Pinsel. Mit einem kleinen Elektromotor wird der Pinsel außerhalb (!!!) der Kamera in Rotation versetzt. Dadurch lädt er sich statisch auf und wirbelt evtl. noch vorhandenen Staub von den Borsten. Mit dem so vorbereiteten Pinsel kann man nun das meiste an losem Staub mit sanften Pinselstrichen entfernen.
Vorteile
- Mobil
- Präzise
- Gut für losen Staub geeignet
- Wenig Risiko
Nachteile
- Bei schmierigen Flecken kontraproduktiv
- Teuer
- Muss peinlich genau sauber gehalten werden
Mit Swabs
Das ist die Art Sensorreinigung die auf Hausmessen oft angeboten wird. Dabei werden Wattestäbchen mit sehr reinen alkoholischen Lösungen beträufelt um den Sensor nass zu reinigen. Die Ergebnisse dieser Reinigung sind in meiner Erfahrung die besten. Ich verwende die Produktlinie von VisibleDust. Die Swabs und Lösungen von Eclipse sind ebenfalls weit verbreitet. Die Funktionsweise ist aber gleich. “Super, ich habe hier noch rund 178 Wattestäbchen im Bad.” Stop! Nicht benutzen. Diese Stäbchen verlieren Fusseln. Das merkt man im eigenen Ohr vielleicht nicht, aber auf dem Sensor macht man alles schlimmer. Auch wenn die Swabs und die Lösung teuer sind, würde ich nicht improvisieren.
Vorgehensweise
Als erstes ist es in jedem Fall wichtig mit einem Blasebalg vorab zu reinigen. Das entfernt grobe Partikel von der Fläche. Nichts wäre blöder, als ein winziges Sandkorn mit einem Swab über den Sensor zu ziehen. Die Swabs sind eher für hartnäckige Partikel und Schlieren, z.B. von Pollen. Wenn die Oberfläche vorgereinigt ist, kann die eigentliche Nassreinigung losgehen: Je nach Lösung und Swab träufelt man 1-3 Tropfen Reingungsflüssigkeit auf die Spitze des Swabs und wartet einen Augenblick, bis diese sich gleichmäßig verteilt hat. Nun führt man den Swab leicht gedreht in Richtung Sensor und achtet darauf, nicht am Spiegelkasten anzustoßen. Von einer Kante des Sensors zieht man den Swab nun mit ganz leichtem Druck und gleichmäßig zur anderen Seite. Nun kann man den Swab drehen und noch ein mal in die andere Richtung ziehen. Danach sollte man den Swab wegwerfen. Tipp: Die Lösungen verflüchtigen sich recht schnell. Deswegen ist es sinnvoll, die Flaschen schnell zu verschließen.
Es gibt verschiedene Anbieter, deren Produkte sich nur wenig unterscheiden. Die meisten kommerziellen Anbieter verwenden meines Wissens Eclipse. Ich bin seit 4 Jahren mit den Lösungen von Visible Dust sehr zufrieden. Bei dem Hersteller gibt es auch eine gute englische FAQ-Seite.
Vorteile
- Sehr gründlich
- Auch gegen Schlieren und hartnäckigen Schmutz gut geeignet
Nachteile
- Feinmotorik erforderlich
- Teuer wegen der Verbrauchsmaterialien
- Giftig
Mit Disko- und Sensorfilm
Bei dieser Variante wird der offene Sensor mit einer wasserlöslichen Flüssigkeit, dem Diskofilm, eingepinselt. In diese Schicht bettet man einen Papierlasche ein. Danach trocknet die Flüssigkeit langsam ein und man kann mit der Lasche einen Film im Stück vom Sensor entfernen. In diesem Film sind dann Staubpartikel eingeschlossen. Das Prinzip kommt aus der Reinigung von Vinylplatten. Es gibt eine spezielle Variante für Kameras mit dem Namen Sensorfilm, die auch für besonders beschichtete Sensoroberflächen geeignet ist. Wenn Reste zurückbleiben, kann man diese durch erneutes Einpinseln anlösen und nach Trocknung abziehen. Mir dauert diese Variante zu lange und ich hatte Probleme mit dem Einbetten der Papierlasche.
Vorteile
- Sehr gute Staubentfernung
- Vorräte halten ewig
- Vergleichsweise geringe Kosten
Nachteile
- Vorgang dauert im Vergleich lange
- Erfordert etwas feinmotorisches Talent
Staub finden
Um eine genaue Karte des Staubs zu bekommen, verwendet man ein bliebiges Objektiv, wählt die kleinste Blendenöffnung, z.B. f/22 oder f/36, stellt den Fokus manuell auf die Naheinstellgrenze und fotografiert dann eine möglichst eben ausgeleuchtete Fläche, z.B. den blauen Himmel. Grobe Partikel sollten schon auf dem Kameradisplay gut zu erkennen sein. Alternativ kann man das Bild noch in Photoshop öffnen und mit einer Tonwertkorrektur den Kontrast anheben. Damit werden dann selbst kleinste Spuren sichtbar.
Wer das ganze häufig macht oder nicht viel Zeit damit verbringen möchte, kann auch eine Lupe verwenden. Gut geeignet sind Lupen mit eingebauter Beleuchtung. Das ist besonders praktisch, weil man dann nicht immer die Staubposition im Kopf umrechnen muss. Das Bild auf dem Sensor ist schließlich spiegelverkehrt. Auch hier gibt es ein brauchbares Produkt von VisibleDust, dass zudem genau die passende Größe hat, um den Spiegelkasten während der Kontrolle vor weiterem Dreck zu schützen.
Ein paar Kleinigkeiten
Viele Kameras werden die Reinigung nicht zulassen, wenn der Akku nicht genug Ladung hat. Hintergrund ist das Risiko, dass der Verschluss schließen könnte, wenn die Spannung abfällt. Wenn man gerade in so einem Moment auf dem Sensor herumfummelt, ist der Verschluss gleich mit kaputt. Es gibt Kameras, deren Verschluss ohne Akku offen bleibt, bei anderen schließt er. Ich habe keine Liste. Kurzum: Ich reinige nur mit einem voll geladenen Akku oder Netzteil.
Beim Reinigen sollte man die Kamera am besten mit dem Bajonett nach unten halten (Blasebalg) oder in der Waagerechten, beispielsweise auf dem Stativ. Nichts ist frustrierender, als sich über die auf dem Tisch liegende Kamera zu beugen um dem sich langsam setzenden Staub beim Weg auf den Sensor zuzusehen. Dieser Tipp gilt logischerweise nicht für Discofilm.
Die Oberfläche, die man reinigt ist, nicht der Sensor selbst, sondern das Filterglas davor. Trotzdem sollte man den nicht verkratzen, denn Reparaturen sind teuer und meistens nicht in der Garantie inbegriffen. Von der Garantie gedeckt sind üblicherweise nur die Reinigungsmethoden, die im Handbuch erwähnt werden. Ich kann nur davon abraten, den Spiegel einer Kamera selbst zu reinigen. Die Oberfläche dieser Spiegel ist sehr, sehr, sehr empfindlich und nicht dafür gemacht daheim gereinigt zu werden. Zudem sieht man Staub darauf nicht, er ist also egal.
Bei Kameras mit wechselbaren Mattscheiben kann man versuchen, diese zu reinigen. Ich habe das selbst ungefähr 10 Mal versucht und bin nie erfolgreich gewesen. Für jeden Fussel, den man entfernt bekommt man zwei neue dazu und am Ende sitzt der Dreck am Prisma oder der Indikator-Scheibe, wo man den gar nicht mehr los wird. Außerdem ist Staub im Sucher für das Foto komplett egal. Hier ist der beste Weg die Suche nach Tiefenentspannung. Alles andere ist in meiner Erfahrung so nervenaufreibend wie aussichtslos.
Kostenlose Gelegenheiten wahrnehmen
Viele Hersteller bieten innerhalb der Garantie eine kostenlose Reinigung im Service-Stützpunkt an. Außerdem gibt es bei Hausmessen großer Fotohändler die Möglichkeit, die Kamera reinigen zu lassen. Mitglieder in den Profigruppen großer Hersteller haben hier oft zusätzliche Möglichkeiten, z.B. zwei Reinigungen pro Jahr bei Canons CPN.
am 26.09.2011 #
Danke für die Informationen. Ich verwende einen recht dicken Strohhalm und sauge damit den Staub, bzw. das störende Staubkorn raus. Meistens handelt es sich ja nur um weinige Partikel die ins Kamerainnere gekommen sind. Hat bisher immer ganz gut funktioniert, man muss nur aufpassen dass man den Sensor, bzw. die Filterscheibe nicht berührt.
am 26.09.2011 #
In Berlin bietet Calumet z.B. jeweils im Frühjar und im Herbst eine Möglichkeit, im Rahmen eines entsprechenden Festes Sensoren von je zwei Kameras pro Person kostenlos zu reinigen.. Für mich reicht das im Regelfall.
Ansonsten gibt es noch Foto Hollin am Kutschi. Die reinigen für 25 Euro den Sensor.
Gruß!
Martin
am 27.09.2011 #
Hey DANKE für die Tipps!!!
Die kommen gerade richtig, da ich neulich meinen ersten Staub im Bild entdeckt habe ;-)
Ich halte den Arctic Butterfly für eine sehr effektive, schnelle Lösung. Alles andere traue ich mich sowieso nicht!
Vielen Dank für diese Ratschläge, ich werde nun viel, viel Geld für ein Pinselchen ausgeben.
Die Fachmännder von Canon nutzen übrigens eine Art klebrigen Stempel in Sensorgröße, mit dem geht es am allerbesten. Nur kommt man an diese Stempel so gut wie gar nicht ran :-(
am 27.09.2011 #
Diese Stempel gibt es z.B. von Dust Aid. Ich mag aber das Prinzip nicht besonders, weil man für Schlieren dann doch wieder Nassreiniger braucht. Viel Erfolg mit dem Butterfly.