Gewohnheiten
Ich habe mir von einem spannenden Fotoausflug nach Warnemünde neben einer vollen Speicherkarte auch eine Erkältung mitgebracht. Deswegen gibt es kein neues Video-Tutorial. Stattdessen möchte ich einige meiner Fotogewohnheiten vorstellen.
Direkt in Schwarz-Weiß fotografieren
Dazu stelle ich die Kamera so ein, dass ich gleichzeitig RAW und JPEG fotografiere. In der Rückschau zeigt meine Kamera dann nur die monochrome Version an. Ich finde diese Funktion nützlich, um genauer auf die Komposition und Lichtwirkung zu achten. Farbe verstellt mir oft den Blick auf die wesentlichen Eigenschaften eines Fotos. Schwarz-Weiß reduziert die Ablenkung. Und wenn ein Bild schon ohne Farbe besticht, ist es (dank RAW), nachher vielleicht in einer farbigen Bearbeitung sogar noch besser.
Zuschnitt vermeiden
Denn das zwingt mich dazu, meinen Standpunkt schon beim Aufnehmen genau zu überdenken. Heute bietet jede Digitalkamera genug Reserven für enge Zuschnitte und ich verwende diese oft und gerne. Allerdings merke ich, dass meine Konzentration besser ist, wenn ich den Zuschnitt im Gedanken erst ausklammere.
Leichtes Gepäck
Bei spontanen Photowalks versuche ich immer wieder, meine technischen Möglichkeiten vom Start weg zu begrenzen. Das mache ich, in dem ich zum Beispiel nur zwei Festbrennweiten statt des ganzen Objektivzoos mitzunehmen. Ich habe den Eindruck, dass das meinen Blick schult. Statt eines faulen Drehers am Zoomring muss ich meine Position überdenken und finde durch das Ausprobieren neuer Standpunkte spannendere Perspektiven, die mir im schnellen Vorbeigehen vermutlich verborgen geblieben wären.
Gurken sofort löschen
Langweilige Aufnahmen finden bei mir nicht mal den Weg in den Kartenleser. Statt mich auf Nachbearbeitung und Effekte zu verlassen, um die Ausbeute zu maximieren, lösche ich solche Blindgänger und B-Ware direkt unterwegs. Erstens spart das später Zeit und Speicherplatz und das Überlegen bringt mich manchmal darauf, was bei der Aufnahme falsch war.
Den Kaufrausch vermeiden
Fotografie kann man als technisches oder als kreatives Hobby betreiben. Mein Eindruck ist, dass insbesondere Männer (ich nehme mich da nicht aus) den technischen Aspekt überbewerten. Das nächste Objektiv im Warenkorb ist also die vermeintliche Lösung für bessere Bilder. Diesen Impuls habe ich selbst immer wieder. In solchen Momenten verwende ich Flickr, um nach großartigen Aufnahmen zu suchen, die mit vergleichsweise günstiger Ausrüstung gemacht wurden. Ein tolles Beispiel sind die Langzeitbelichtungen von Joel Tjintjelaar. Er fotografiert viele seiner beeindruckenden Schwarz-Weiß-Bilder mit nichts weiter als einer EOS 400D und dem oft als Kitscherbe geschmähten EF-S 18-55. Das ist für mich der beste Beleg, dass Ausrüstung keine besseren Bilder macht. Sie hilft nur dabei, beim Fotografieren mehr Spaß zu haben.
Hier sind noch einige Impression vom oben erwähnten Ausflug.












Am 15.02.2010
Permalink
Gut gesprochen! Und eine möglichst baldige Gesundung!
Am 15.02.2010
Permalink
Schöner Blogeintrag mit guten Tipps und tollen Fotos.
Am 15.02.2010
Permalink
Im Großen und Ganzen stimme ich Dir zu, was Deine Ausführungen angeht.
Jedoch plädiere ich insbesondere was die Gurken und das Equipment angeht für eine differenziertere Betrachtung.
So lösche ich lediglich eindeutig technisch misslungene Aufnahmen noch vor Ort (unscharf, stark unter- oder überbelichtet usw.).
Schon so manches Mal ist es mir untergekommen, dass ich die Aufnahmen eines Shootings Tage und Wochen später nochmal durchging und dabei Aufnahmen entdeckte, die ich beim ersten Sichten zugunsten der “offensichtlichen” Favoriten übergangen habe. Häufig sind dass dann die Fotos, die mir persönlich langfristig am Besten gefallen.
Zudem versuche ich mich beim Fotografieren aufs Fotografieren und nicht auf die ästhetische Beurteilung der eben gemachten Aufnahmen zu konzentrieren.
Zugegeben ist das auch eine Folge meines sehr kleinen Displays an der Kamera, welches mich auch zu meiner zweiten Anmerkung bringt.
Lustiger weise hört man den Ratschlag, nicht so sehr auf die Ausrüstung, sondern auf die Fotografie an sich zu achten meist von denen, die selbst die größte und teuerste Ausrüstung haben. :)
Hier muss man natürlich unterscheiden in (mindestens) drei Kategorien: Equipment, das einem mehr Spass beim Benutzen bringt, aber nicht zwingend bessere Fotos; Equipment, das einem gewisse Fotos erst ermöglicht (z. B. lange und/oder kurze Brennweiten) und Equipment, welches man hat aber nie verwendet und welches einem somit auch keine besseren Fotos ermöglicht. ;-)
Ich bin persönlich der Meinung, dass die erste Kategorie zu besseren Fotos führen _kann_, wenn man durch dessen Anschaffung motivierter ist mehr zu fotografieren und/oder mehr auszuprobieren.
Das ist aber in der Tat nicht zwingend.
Unzweifelhaft jedoch wird es immer Arten der Fotografie geben, die nur durch bestimmtes Equipment möglich wird (z. B. Makrofotografie).
Im Endeffekt stimme ich somit mit Dir überein, dass das nächste Objektiv im Warenkorb oder der nächst-bessere Body nicht die Lösung für bessere Bilder ist. Sorgfältig reflektierte Kaufentscheidungen können jedoch Mm nach durchaus zu langfristig besseren Bildern führen.
So, jetzt aber genug, ich muss schauen, ob ich mir dieses geile (!) IS Zoomdings leisten kann…
Viele Grüße
Felix
Am 15.02.2010
Permalink
Vielen Dank für Eure Kommentare.
@Felix: Das Argument kommt natürlich von denen mit viel Ausrüstung, weil die erkannt haben, wie irrelevant das ist. Viele der Aufnahme die ich zu meinen besten zähle habe ich rückblickend nicht mit der 5D Mark II und dem sauteuren L-irgendwas gemacht, sondern mit der 350D oder G9, weil ich mit viel mehr Enthusiasmus rausgegangen bin.
Du hast sicher auch Recht damit, dass bestimmte Anwendungen erst mit bestimmter Ausrüstung möglich werden. Das sind aber, finde ich, auch oft eher Randbereiche. Und besonders im Bereich Ultraweitwinkel wird die Herausforderung was Komposition angeht meist unterschätzt.
Ich merke jedenfalls immer wieder, dass ich auch mein älteres Equipment nicht ausreize und viele Fotografen bessere Ergebnisse mit weniger Ausrüstung erzielen. Davon lasse ich mir den Spaß an ewiger Recherche für die nächste Anschaffung und langes Wälzen technischer Details natürlich auch nicht mindern.
Am 15.02.2010
Permalink
Das sofortige Löschen fällt vor Ort am leichtesten, weil man das Motiv ja meist nochmal ablichten kann. Wenn man erstmal auf dem Rückweg oder bereits am Rechner ist, überlegt man bei jeder schlechten Aufnahme, ob man sie nicht doch irgendwie mit Photoshop retten kann…
@Felix: wenn ein Bild im Display schon nach Ausschuss aussieht, wird es nie das Top-Bild werden. Lieber löschen und nochmal machen, so lange bis man mit dem Display-Bild zufrieden ist.
Ich habe das bei der Konzertfotografie gemerkt. Da sind aufgrund der schlechten Lichtverhältnisse 90% der Bilder Schrott. Je mehr man sofort löscht, desto größer ist die Ausbeute hinterher, weil die Schrottquote erheblich sinkt. Das spart erheblich Zeit und steigert das Erfolgserlebnis.
Was die Hardware-Frage angeht halte ich es so: ich kaufe preiswert und wenn neue Hardware ins Haus kommt, dann erst, wenn ich an die Grenzen der vorhandenen gestoßen bin. Meine D70 (6 rauschende Megapixel) hat dank der Einstellung 5 Jahre “gehalten”.
btw.: für die Bilder hat sich die Erkältung gelohnt :) Gute Besserung!
Am 16.02.2010
Permalink
@Andreas:
Heißt das, ich muss selbst erst Unsummen ausgeben, bis ich erkannt habe, dass ich keine Unsummen hätte ausgeben müssen? ;-)
Anders gefragt, ist es nicht einfach, im 7er BMW sitzend zu sagen “eigentlich reicht ja auch ein Golf: fahren tut der auch.”?
Okay, da mag schon was dran sein. Ich persönlich hadere auch immer lange mit mir, bevor ich verhältnismäßig große Summen ausgebe; i.Ü. egal, wofür.
Und manchmal ist die Vorfreude fast schon schöner als die eigentliche Anschaffung; die ist dann häufig ernüchternd.
Insofern: solange man sich im Klaren darüber ist, dass der Grund für die subjektiv unbefriedigenden Ergebnisse höchstwahrscheinlich in mangelnder Übung und nicht mangelndem Equipment liegt steht dem genussvollen Kaufen teuren Equipment doch eigentlich nichts im Wege!
@melle: Ja, Du hast recht. Ich meinte auch weniger Bilder, die sofort als Schrott erkennbar sind, als solche, bei denen ich mir unsicher bin, wenn ich sie auf dem Display betrachte.
Meine Ausbeute ist generell gering: entweder weil ich zu untalentiert bin, oder weil ich so hohe Ansprüche habe: das Urteil überlasse ich anderen! ;-)
Am 16.02.2010
Permalink
@Felix: Beim Geld ausgeben: Ja, das ist nicht gerade Zen, aber ich empfinde es so. Der Auto-Vergleich hinkt ein wenig. Der Unterschied zwischen Golf und 7er ist nicht sichtbar, wenn man immer nur 500 Meter mit 10km/h zum Bäcker fährt.
Du hast aber völlig recht, dass ein Kauf für das Haben und das Hobby natürlich völlig in Ordnung ist. Sonst wäre Leica schon vor Jahren komplett verschwunden.
Und zum Wegwerfen: @melle hat das in seinem Kommentar perfekt beschrieben. Genau so meinte ich das auch.
Am 17.02.2010
Permalink
Da muss ich doch grad schmunzeln. Habe gestern tatsächlich an die 30 Aufnahmen von genau der selben Szene gemacht, den Ausschnitt dabei nur minimal verändert. Zu Hause dann hatte ich den Salat. Eindeutig zu viele Aufnahmen. Ich konnte mich einfach nicht entscheiden, welche ich denn für die Bearbeitung weiter verwenden soll. Werde es heute Abend nocheinmal versuchen.
Wollte mit diesem Dauerfeuer mal eine neue TTaktik versuchen. Sonst mache ich max. 3-4 Bilder einer Szene. Ich werde wieder zur alten Taktik wechseln, weil ich auch gemerkt habe, dass ich mich bei den wenigen Aufnahmen wesentlich besser konzentriere.
Am 21.02.2010
Permalink
Interessanter Beitrag.
Zum Thema Bilder direkt in der Kamera löschen:
http://nachbelichtet.com/2009/09/10/5-gruende-warum-du-fotos-nie-in-der-kamera-loeschen-solltest/ ;)
Am 21.02.2010
Permalink
danke dass du deine gedanken formulierst.
Am 17.07.2010
Permalink
Flickr ist zwar gut für Impressionen, aber da die meisten Nutzer auch wenn sie nicht komerziell arbeiten, ihre Bilder nicht in auch nur annähernd voller Auflösung hochladen, finde ich nicht das man da gut die Bildqualität beurteilen kann. Klar mag das Bild auf 640×480 o.ä. gut aussehen, aber ob ich vom zugehörigen Original z.B. gute Abzüge machen könnte oder ob dann zu viel Unschärfe sichtbar würde o.ä. erkennt man nicht. Natürlich werden die meisten Leute von den wenigsten Bildern Abzüge machen, aber ich finde es wichtig das es immerhin möglich sein sollte.