FH Potsdam
Update Ich freue mich sehr, dass der Kommentator FHP Rektor Stellung zu diesem Artikel bezogen hat. Damit hat sich mein Hauptkritikpunkt des Fotografieverbots erledigt. Die Baukosten habe ich umgehend korrigiert. Meine ursprüngliche Angabe habe ich falsch aus dem Artikel der Märkische Allgemeinen Zeitung vom 22. April 2009 zusammengefasst. Das Wort Mensa habe ich aus dem Titel gestrichen.
(via Flickr)
Ich konnte bis jetzt ohne Probleme in einigen Bahnhöfen fotografieren. Oder Schnappschüsse in und um Flughäfen herum aufnehmen. Die FU Berlin war so freundlich, mir sogar im Inneren der von Sir Norman Foster spannend gestalteten Bibliothek einen Fototermin zu ermöglichen. Kurz: Bis jetzt hatte ich nie Probleme und bin außer aus Interesse nie angesprochen worden.
Bei einem kurzen Spaziergang in Richtung Volkspark (dem Gelände der Bundesgartenschau) kam ich am neuen Gebäude auf dem Campus Pappelallee der FH Potsdam vorbei. Das vom Architekturbüro Becher & Rottkamp gestaltete Gebäude an der Kiepenheuerallee wurde für 5018 Millionen Euro 8 Jahre nach der Antragstellung fertig gebaut. Die Architektur ist von außen nicht über die Maßen spannend aber durchaus sehens- und für mich damit fotografierenswert.
Nach dem dritten Klick auf den Auslöser wurde ich von einem Sicherheitsmann aus der Distanz laut gefragt, ob ich einen Genehmigung dazu habe. Auf dem Bürgersteig stehend rief ich zurück, dass ich die nicht brauche. Er meinte doch, ich meinte Panoramafreiheit, er meinte doch, ich meinte er solle die Polizei rufen.
Darauf sagte er, er müsse den Dekan informieren und würde nur Anweisungen befolgen. Die FH wäre in Sorge wegen Einbrüchen. Die Schilderungen ließen vermuten, dass man Angst hat, dass Diebe sich mit Fotos vorbereiten. Nach dem er die Polizei nicht rufen wollte und ich keine Lust hatte, mich wegen dieser Angelegenheit länger aufhalten zu lassen, setzte ich meinen Weg fort.
Meine Meinung zu dem Fotografieverbot: Das ist kompletter Unsinn. Warum sollte ich zur Vorbereitung eines Verbrechens Fotos erstellen, wenn ich ein halbwegs intaktes Erinnerungsvermögen habe. Falls ich die Bilder wegen meiner Schusseligkeit bräuchte, würde ich sicher nicht mit einem Fotorucksack, Vollformatkamera und großem Objektiv dort auftauchen und unter beobachtenden Augen der an der gegenüberliegenden Wartestelle stehenden Passanten sorgfältig komponieren. Außerdem bereiten nicht mal Terroristen Anschläge mit Fotos vor. Dazu gibt es einen lesenswerten Englischen Artikel vom Sicherheitsexperten Bruce Schneier.
Ich bin gespannt, ob und wenn ja wie die Pressestelle der Fachhochschule Potsdam auf die folgenden Fragen antwortet.
- Was rechtfertigt das Fotografieverbot aus Ihrer Sicht?
- Wie ist die Haltung der FH-Potsdam zur Panoramafreiheit?
- Ist die Sicherheit des Gebäudes davon abhängig, das es niemand sieht?
- Würden Sie gegenüber Vertretern der Presse eine ähnliche Haltung an den Tag legen?
- Sollten nicht insbesondere Gebäude die durch die Allgemeinheit finanziert werden dieser auch zugänglich sein?
- Warum wird keine entsprechende gut sichtbare Beschilderung installiert, wenn die FH ein Fotografieverbot verhängt ist?

am 05.09.2009 #
Solch eigenartiges Verhalten ist mir schon öfter untergekommen. Oft handelt es sich um Übereifer der Sicherheitsfrauen und -männer. Es ist wirklich ärgerlich, wenn einem so der Spaß am fotografieren genommen wird.
Bin auch gespannt auf die Reaktion der Pressestelle.
am 06.09.2009 #
Da kann ich mich Steffen nur anschließen, bin auch mal gespannt auf die Reaktion.
am 06.09.2009 #
Sowas änliches ist mir neulich auch passiert. War ein wenig in der Landschaft unterwegs und habe paar Bilder gemacht. Als ich dann wieder zu meinem Auto unterwegs war kam eine Frau auf mich zu und fragte mich ganz frech was ich da fotografiere. Kein hallo, kein guten Tag. Ich erklärte ihr das ich etwas in der Landschaft fotografiert habe und das ich das wohl auch ohne ihre erlaubnis tun darf. Behauptete sie doch tatsächlich das ich ihre Pferde fotografiert habe, um die fotos daheim auszuwerten und mich so auf einen Pferdeklau vorbereite. Ich bin fast umgefallen. Naja, habe dann nur mit dem Kopf geschüttelt und bin weiter zu Auto gegangen, eingestiegen und weg. Die Frau hat sich noch mein Autokennzeichen aufgeschrieben. Naja
am 06.09.2009 #
Maxim der Pferdedieb :-) Da muss ich schon etwas schmunzeln über die Geschichte.
Mir ist zum Glück noch nie so etwas passiert. Außer einigen schiefen Blicken an Baustellen hat man mich in Frieden gelassen.
am 06.09.2009 #
UrhG § 59 Werke an öffentlichen Plätzen
(1) Zulässig ist, Werke, die sich bleibend an öffentlichen Wegen, Straßen oder
Plätzen befinden, mit Mitteln der Malerei oder Graphik, durch Lichtbild oder
durch Film zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich wiederzugeben. Bei
Bauwerken erstrecken sich diese Befugnisse nur auf die äußere Ansicht.
(2) Die Vervielfältigungen dürfen nicht an einem Bauwerk vorgenommen werden.
Du hattest keine Hilfsmittel (Leiter, Tritt o.ä.) dabei. Du hast von öffentlich gewidmetem Raum (öffentlicher Gehweg/Straße etc.) aus fotografiert.
Der nette Herr vom Sicherheitsdienst hat wahrscheinlich aus dem großen Fundes seines fundiertes Halbwissens geschöpft.
Sofern Du mit diesem Foto kein Geld verdienst, kann Dir gar nichts passieren.
Schönen Sonntag noch! :)
am 07.09.2009 #
Wow, nicht schlecht, die Aufforderung das Photographieren eines öffentlichen Gebäudes einzustellen, weil man angst vor Einbrüchen habe!
Bin auch gespannt, was die Pressestelle dazu sagen wird :-)
am 07.09.2009 #
Ich darf Sie beruhigen: Ein solches Verbot gibt es an der FHP nicht. Wir freuen uns über alle, denen unsere Gebäude ge- oder auffallen.
Erlauben Sie mir 2 Anmerkungen zum Text:
a) Das Foto zeigt das FHP-Hauptgebäude, in dem sich neben Hörsälen und Bibliothek auch die Mensa befindet, diese jedoch auf der diagonal entgegengesetzten Seite und daher auf dem Foto nicht sichtbar.
b) Die Baukosten betrugen mit ca. 18 Mio. Euro etwa ein Drittel der angegebenen.
am 07.09.2009 #
Vielen Dank für Eure Kommentare und Schilderungen der Erlebnisse. Die Pferdedieb-Idee ist fantastisch.
@FHP Rektor: Vielen Dank für Ihre Stellungnahme. Ich habe die von Ihnen angemerkten Punkte geändert und freue mich über die Klarstellung. Es wäre sehr schön, wenn Ihr Standpunkt auch gegenüber dem Sicherheitspersonal transparent kommuniziert wird.