Stacked

In der Makrofotografie ist eine durchgehend scharfe Abbildung naher Objekte fast unmöglich. Schließt man die Blende weit genug geht die Gesamtschärfe wegen der Beugung verloren. Bei den optimalen Blendenwerten der Objektive reicht dagegen die Tiefenschärfe nicht aus. In der Studiofotografie mit einer Fachkamera kann man das durch die Scheimpflugsche Regel kompensieren. Aber bei DSLRs ist das Problem so nicht zu lösen.
Die Antwort darauf ist die Schärfentiefenerweiterung (Focus Stacking). Diese Technik wird vor allem in der Astronomiefotografie verwendet. Es werden eine Reihe von Bildern mit gleichem Inhalt verrechnet. Dabei bleibt Information (Schärfe) übrig, während das Rauschen (Unschärfe) verschwindet. Man kan z.B. Einzelbilder eines Videos oder Fotoserien verwenden, um die Schärfe zu verbessern.
Als erstes fokussiert man dazu den der Kamera nächsten Bereich, der scharf abgebildet werden soll. Eine Blende von f8-f11 ist dabei empfehlenswert. Die Kamera sollte auf einem Stativ sein, das Subjekt unbeweglich und die Belichtung manuell eingestellt. Nun fokussiert man manuell in kleinen Schritten bis zu der Stelle die scharf abgebildet werden soll und am weitesten von der Kamera entfernt ist. Die so entstandene Bildserie exportiert man nun mit bis zu 8 Megapixel pro Bild als JPEG hoher Qualität oder als TIFF.
In kostenlosen und unter GPL lizenzierten Software CombineZM wird dieser Stapel geladen und verarbeitet. Im Ergebnis entsteht ein Bild mit deutlich erhöhter Schärfentiefe. Dabei treten an den Bildrändern durch das Verfahren Artefakte auf. Es ist also empfehlenswert, bei der Aufnahme ca. 15% unwichtigen Rand mit aufzunehmen, damit man nachher keine wichtigen Details abschneiden muss.
In dem Bild links ist der Fokus auf der linken Bildseite beim Anschluss für die Schlaufe. Für diese Art von Aufnahme ist Live View mit 100% Ansicht zum Fokus-Check sehr praktisch.
Die abgebildete Canon G9 ermöglicht übrigens neben dem bekannteren Exposure Bracketing auch ein Fokus-Bracketing an, dass automatische Bildserien mit Fokusänderungen erstellen kann.
Das letzte Bild aus der Fokusserie ist auf das ISO-Auswahlrad oben rechts fokussiert. Um im Makrobereich scharfe Aufnahmen zu erhalten, verwende ich die Spiegelvorverriegelung und den Selbstauslöser mit 2s Verzögerung. Das ist eine kostenlose Alternative zum Fernauslöser mit Kabel, IR oder Funk, den ich für meine DSLR nicht habe. Ein stabiles Stativ hilft natürlich ebenfalls.


Gibt’s da noch mehr sinnvolle Anwendungen als Marko? Mir fällt gerade nichts ein, was ich sonst nicht auch mit abblenden hinbekommen würde.
Bzgl. IR-Auslöser: die beste Investition für meine Kamera. Gerade für Mehrfachbelichtungen wie diese ist das enorm hilfreich. Ich hab auch erstmal geschluckt bei dem Preis für den Auslöser, aber er funktioniert auch aus großer Entfernung sehr gut und ist bei Langzeitaufnahmen unerlässlich. Es gibt auch Lösungen z.B. für den Palm Pilot, (man muss ja nur das IR-Signal abspielen) aber der Auslöser hat genau einen Knopf – den kann ich auch noch um Mitternacht am Mekong mit ein paar Promille im Kopf bedienen
Da ich mich mit Astronomiefotografie nicht auskenne würde ich Makro schon als Hauptaufgabe sehen. Man kann natürlich auch ISO-verrauschte Aufnahmereihen stacken, um das Rauschen herauszurechnen.
Ich würde das bei Stilleben anwenden, z.B. wenn man von schräg oben eine Tastatur aus der Nähe fotografiert und alle Tasten scharf abgebildet sein sollen.
Landschaftsfotografie würden mir noch einfallen, allerdings nur, wenn etwas an der Naheinstellgrenze liegt und der Hintergrund auch noch scharf abgebildet sein soll. Das ist aber schon sehr esoterisch.
Ich bin gerade versucht mir einen Auslöser von einem Dritthersteller zu kaufen, da der deutlich mehr Features bietet. Der Preis schmerzt für eine an sich billige Schaltung allerdings schon sehr.
Hall Andreas,
wieder mal ein großes Dankeschön!!!
Was habe ich mich schon geärgert wenn ich Makros aufgenommen habe, z.B. Schmuck, und habe ihn nicht durchgängig scharf bekommen. Nicht zu vergessen die ewigen Selfs bei 105mm in den glänzenden Oberflächen. Jetzt mit 150mm hab ich damit kein Problem mehr und mit diesem Tool versuche ich mal den Rest zu erledigen.
Ich werde das mal testen und mich melden wenn ich noch Frageb habe, wenn´s genehm ist
VG Markus
bytheway:
Mittels Tilt & Shift Objektiven ist es auch mit DSLRs möglich, eine deutlich höhrere Schärfetiefe zu erzielen, als dies mit regulären Objektiven möglich wäre.
Danke für Eure Kommentare.
@Dino Danke für die Ergänzung. Beim Tilt-Shift kann man sich die Scheimpflug-Regel zu Nutze machen, um dei Fokuseben im Bild zu platzieren. Dadurch nimmt die Schärfentiefe nicht zu, liegt aber anders im Bild. Bei Tabletop-Aufnahmen ist das aber gut geeignet. Bei Makro-Aufnahmen kann die relativ große Naheinstellgrenze von TS-Objektiven hingegen problematisch sein.